Videospiele sollen nun am Chaos zu Silvester die Mitschuld tragen

Die Unruhen in der vergangenen Silvesternacht sollen für einige Journalisten wohl auch mit Videospielen zusammenhängen. Und ich dachte das Thema wäre nun endlich verjährt, aber man hat es wohl nur in den Schrank gepackt, um es für die nächste Gelegenheit wieder auszugraben.

.Im ARD-Presseclub ging es zuletzt auch um die Motivation der Täter. Eine der anwesenden Journalistinnen gab hierbei den modernen Videospielen die Schuld und wärmte damit eine Debatte auf, die heute viele nicht mehr für möglich gehalten hätten.

In der Silvesternacht, von 2022 in 2023, kam es in Berlin und einigen anderen Städten zu Ausschreitungen. Dabei wurden auch Polizisten und Rettungskräfte angegriffen. Das Chaos in der Hauptstadt war das Hauptthema des Presseclubs vom 08. Januar im Ersten. Zu Gast waren hier deutsche Journalisten, die über die Täter und ihre Motivationen sprachen (Quelle: ARD-Mediathek).

Erneut wurde die niedrige Hemmschwelle der Täter mit „Killerspielen“ in Verbindung gebracht. Getreu dem Motto: Wenn wir die politische Lage nicht als Hauptgrund nennen dürfen, gucken wir mal was wir noch so in der Schublade haben.

Zunächst warf Jasper von Altenbockum von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nur ein, dass es bei vielen wohl eine niedrigere Hemmschwelle gebe, da ahnte noch niemand was gleich passieren würde. Eva Quadbeck vom RedaktionsNetzwerk Deutschland schien hier nämlich schon einen genauen Verdächtigen zu haben:

Sie erklärte, dass man nicht vergessen sollte, welche Videospiele gespielt würden und mit welchem Realismus sich Menschen dort „gegenseitig abschlachten“. Ohne mit der Wimper zu zucken, würden junge Menschen dort „jagen und morden“. Das Argument schloss sie damit ab, dass dann „teilweise nicht mehr die Realität gesehen wird, wenn man auf der Straße steht und dann wahlweise gegen Polizisten oder gegen Rettungskräfte vorgeht“.

Glücklicherweise wurde die Killerspiel-Debatte von hier nicht weitergeführt und die Diskussion wendet sich einem anderen Thema zu. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack. Es gibt keine weiterführende Erklärung, warum denn jetzt gerade diese Böller-Attacken an Silvester durch Videospiele zu erklären sind. Aber im dunkeln sitzen gelassen zu werden ist man ja inzwischen bereits gewohnt.

Prinzipiell ist gegen eine Kritik ja gar nichts einzuwenden. Jedoch in der Art und Weise wie Frau Quadbeck das hier einwirft und dann einfach alles so stehen gelassen wird, und so aussehen lässt als wenn nun jeder FPS Gamer ein potentieller Angreifer von Polizisten oder Rettungskräften sei, ist einfach nur traurig. Alte Phrasen, die längst widerlegt sind, werden einfach stumpf wiederholt.

Hoffen wir das die Wiederbelebung dieser Debatte das einzige Zeichen in diese Richtung bleibt und diese auflodernde Flamme schnell erlischt.